Aach Gude - Rheingauer Wörterbuch

„Jede Mundart ist Volksmundart, heimlich und sicher, aber auch unbeholfen und unedel, dem bequemen Hauskleid, in welchem nicht ausgegangen wird, ähnlich. Im grunde sträubt sich die schämige Mundart wider das rauschende Papier, wird aber etwas in ihr aufgeschrieben, so kann es durch treuherzige Unschuld gefallen.“
Joseph Kehrein, Volkssprache und Wörterbuch von Nassau, Zitat aus dem Vorwort

Nit nur für Haargeloffene!

Reichen die Wurzeln der Heimatsprache, wie Hedwig Witte in einem Gedicht sagt, immer noch „dief in de Boddem“ wie Rebwurzeln? Wir haben inzwischen von den Geisenheimer Forschern gelernt, dass die Rebe da, wo sie ausreichend Wasser in Oberflächennähe findet, gar nicht so tief wurzelt. Was die Sprache angeht beobachten wir, dass immer weniger Menschen im Rheingau von Klein auf das sprechen lernen, was wir Mundart nennen - auf gut Griechisch „diálektos“ - von légein „sprechen“ und día „auseinander, anders". Unsere Kinder lernen die Mundart bei der Fassenacht und bei den „Schlappmäulcher“ unseres Mundartvereins wie eine Fremdsprache. Die Vielen, die im Rheingau vorübergehend oder dauerhaft „zuziehen“ sind mit eigenen Mundarten, mit der Hochsprache oder mit einer anderen Muttersprache als Deutsch aufgewachsen. Sprache ist etwas Lebendiges. Sie entwickelt sich weiter mit denen, die sie sprechen. Wie viele Sprachen sind mit den Sprecherinnen und Sprechern ausgestorben!

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Weschbrick

die, Pl. Weschbrigge, auch Weschbriggelche, e kurz und betont, Wort mit der Einrichtung schwindend für breiten, am Rheinufer fest verankerten Ponton mit flachem Boden und niedrigem Mittelbord, der über ei­nen Steg zum erhöhten Bug oder Heck zugänglich war und in der Mitte eine offene Wasserrinne hatte. Zu Seiten dieser Rinne und an den Bordkanten der Längsseiten waren Waschbretter ange­bracht. Als kommunale Einrichtungen dienten diese Waschbrücken derAllgemeinheit. Jede Hausfrau konnte sie kostenlos zum Waschen benutzen. Im Juni 1964 übernahm die DLRG Biebrich-Amöneburg das Kasteler Weschbriggelche. Viele Jahre lang wa­ren sie so charakteristisch für das Rhein­ufer, dass die Enzyklopaedia Britannica zur Bebilderung des Abschnitts Mainz ein Ufermotiv mit Wäschbrücke wählte. Sie waren aber keineswegs Ein­richtungen, die man nur am Rheinufer treffen konnte. Friedrich Hebbel fielen solche Wäschepontons 1843 am Seineufer in Paris auf. Auch in Straßburg und in Würzburg (Veits­höchheim) sind sie zu finden gewe­sen. Kapitän vun de Weschbrick war ein Spottname für private Motorbootfahrer und Segler, die sich besonders schiffig und eitel heraus­geputzt hatten.

Schuggebennel

der, Pl. gleich, u lang und betont, auch Schuhbennel, allg. für Schnürsenkel; vgl. Bennel.

Tubback

der, ohne Pl., kurze Vokale, u betont, gew. für 1. Tabak; 2. Strafe, Schelte, Schläge. Wann de haam kimmst, kriehsde dein Tubback; Sein Vadder hot-en vertubbackt.