„Jede Mundart ist Volksmundart, heimlich und sicher, aber auch unbeholfen und unedel, dem bequemen Hauskleid, in welchem nicht ausgegangen wird, ähnlich. Im grunde sträubt sich die schämige Mundart wider das rauschende Papier, wird aber etwas in ihr aufgeschrieben, so kann es durch treuherzige Unschuld gefallen.“
Joseph Kehrein, Volkssprache und Wörterbuch von Nassau, Zitat aus dem Vorwort
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die, Pl. Scheese, e lang und betont, allg. für Pferdekutsche, als diese noch nicht vom Kraftwagen abgelöst war, heute aber auch auf diesen übertragen. Frz. chaise: Stuhl, Sessel, Wagen mit Halbverdeck. Besonders in Kinnerschees und Bobbeschees (s.d.) ist das Wort bis heute lebendig.
gestrenzt, kurze e, erstes betont, allg. für stehlen im Sinne harmlosen Mundraubs, besonders von Obst. Bayerisch stenzen im gleichen Sinn; schrspr. striezen.
geschnorrt, auch schnorrn, schnorre gehe, o kurz und betont, allg. für 1. betteln, auf Kosten anderer leben; 2. an Fassenacht in Maske umherziehen, um anderen mit verstellter Stimme die Maanung zu saache. Der Reiz der Sache ist, einen Bekannten mit dem Wissen um Dinge zu überraschen, von denen er glaubt, sie seien anderen unbekannt; dabei kommt es darauf an, dem, der wo die Maanung gesaat krieht, unkenntlich zu bleiben. Die Schnorrer sind vor allem noch in Kiedrich lebendig, wo am Donnerstag vor Fassenacht die Schnorrerrallye stattfindet. Die Fassenachtsschnorrer haben von alters her das Vorrecht, sich an den Speisen und Getränken der Unmaskierten zu laben.