Aach Gude - Rheingauer Wörterbuch

„Jede Mundart ist Volksmundart, heimlich und sicher, aber auch unbeholfen und unedel, dem bequemen Hauskleid, in welchem nicht ausgegangen wird, ähnlich. Im grunde sträubt sich die schämige Mundart wider das rauschende Papier, wird aber etwas in ihr aufgeschrieben, so kann es durch treuherzige Unschuld gefallen.“
Joseph Kehrein, Volkssprache und Wörterbuch von Nassau, Zitat aus dem Vorwort

Nit nur für Haargeloffene!

Reichen die Wurzeln der Heimatsprache, wie Hedwig Witte in einem Gedicht sagt, immer noch „dief in de Boddem“ wie Rebwurzeln? Wir haben inzwischen von den Geisenheimer Forschern gelernt, dass die Rebe da, wo sie ausreichend Wasser in Oberflächennähe findet, gar nicht so tief wurzelt. Was die Sprache angeht beobachten wir, dass immer weniger Menschen im Rheingau von Klein auf das sprechen lernen, was wir Mundart nennen - auf gut Griechisch „diálektos“ - von légein „sprechen“ und día „auseinander, anders". Unsere Kinder lernen die Mundart bei der Fassenacht und bei den „Schlappmäulcher“ unseres Mundartvereins wie eine Fremdsprache. Die Vielen, die im Rheingau vorübergehend oder dauerhaft „zuziehen“ sind mit eigenen Mundarten, mit der Hochsprache oder mit einer anderen Muttersprache als Deutsch aufgewachsen. Sprache ist etwas Lebendiges. Sie entwickelt sich weiter mit denen, die sie sprechen. Wie viele Sprachen sind mit den Sprecherinnen und Sprechern ausgestorben!

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Die 2. Auflage ist jetzt im Buchhandel und beim Autor erhältlich (kostet 15 €, da steht aber auch viel mehr drin)

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Schambes

kurze Vokale, a betont, Abkürzung des früher sehr verbreiteten Vorna­mens Jean-Baptist (Johann Baptist, d. h. Johannes der Täufer, Namenstag am 24. Juniund daher auch Summerhannes genannt. Der Namenstag des Jüngers und Evangelisten Johannes wird am 27. Dezember gefeiert, deswegen heißt der Winterhannes). Dazu der Scherz: All mei Kinner fange met-eme S ãã: de Schambes, de Schagg, es Schalodd, es Schanett, de Schorsch un ’s Schossefin, nor des arm Zoffieche (Sofie­) nit, des fängt met-eme Z ãã. Schambes kann auch als vertrauliche Anrede im Sinne von Kumbeer (s.d.) gebraucht werden, ebenso wie der gleichfalls früher weit verbreitete weibliche Vorname Minna als familiäre Anrede dienen kann. Da viele Minnas im 19. Jhdt. als Hausmädchen tätig waren, werden heute auch Hausgeräte wie Spül- oder Waschmaschinen spaßhaft so tituliert. Auch die im Mittelalter vorherrschenden, ehemals kaiserlichen Vornamen Heinrich und Konrad werden seit dem 13. Jh. bis heute als Hinz und Kunz abwertend für ‚jedermann’ gebraucht.

Daachleenerwei

der, ohne Pl., a lang und betont, ei nach oi gefärbt und durch nicht gesprochenes n nas., gew. für Drusenwein (s.d.); schrspr. Taglöhnerwein.

Weschbidd

die, Pl. Weschbidde, auch Weschbrenk, kurze Vokale, erstes e betont, allg. für Waschzuber, früher aus Holz (vgl. Brenk), später aus Zinkblech. Beim Wesch wesche, das früher gemeinschaftlich an Brunnen oder Ufern stattfand, wurde gern geschwatzt. Zusammenhängend damit gab der Publizist Franz Bossong von 1897 bis 1900 die satirische Zeitschrift „Die Wäsch-Bitt“ heraus, in der er Wiesbadener Ereignisse kritisch und mit viel Weitsicht aus dem Blickwinkel des Virreche schilderte (Vetterchen, eine im alten Wiesbaden weit verbreitete kumpelhafte Anrede, die geradezu Synonym für den Ur-Wiesbadener war). 1998 gab Brigitte Forßbohm einen kommentierten Nachdruck heraus.