Aach Gude - Rheingauer Wörterbuch

„Jede Mundart ist Volksmundart, heimlich und sicher, aber auch unbeholfen und unedel, dem bequemen Hauskleid, in welchem nicht ausgegangen wird, ähnlich. Im grunde sträubt sich die schämige Mundart wider das rauschende Papier, wird aber etwas in ihr aufgeschrieben, so kann es durch treuherzige Unschuld gefallen.“
Joseph Kehrein, Volkssprache und Wörterbuch von Nassau, Zitat aus dem Vorwort

Nit nur für Haargeloffene!

Reichen die Wurzeln der Heimatsprache, wie Hedwig Witte in einem Gedicht sagt, immer noch „dief in de Boddem“ wie Rebwurzeln? Wir haben inzwischen von den Geisenheimer Forschern gelernt, dass die Rebe da, wo sie ausreichend Wasser in Oberflächennähe findet, gar nicht so tief wurzelt. Was die Sprache angeht beobachten wir, dass immer weniger Menschen im Rheingau von Klein auf das sprechen lernen, was wir Mundart nennen - auf gut Griechisch „diálektos“ - von légein „sprechen“ und día „auseinander, anders". Unsere Kinder lernen die Mundart bei der Fassenacht und bei den „Schlappmäulcher“ unseres Mundartvereins wie eine Fremdsprache. Die Vielen, die im Rheingau vorübergehend oder dauerhaft „zuziehen“ sind mit eigenen Mundarten, mit der Hochsprache oder mit einer anderen Muttersprache als Deutsch aufgewachsen. Sprache ist etwas Lebendiges. Sie entwickelt sich weiter mit denen, die sie sprechen. Wie viele Sprachen sind mit den Sprecherinnen und Sprechern ausgestorben!

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Kennen Sie die ...?

Hier werden einige durch Zufall ausgewählte Begriffe angezeigt.

Binger Bleistift

der, Pl. selten, Scherzname für Korkenzieher. Der Begriff ist Pointe einer Legende, nach der die Binger Ratsherren in einer Versammlung samt und sonders zwar keine Bleistifte zur Hand hatten, dann aber, als es ans Flaschenöffnen ging, je­der einen Korkenzieher zum Vorschein brachte. So in der Posse „Romantisches Leben“ von Jean Dremmel (1885): Ich hab nix im Sack als wie en Binger Bleistift.

Eelche

das, kein Pl., Anlaut-e lang und betont, nur in dem Ausdruck e Weĩ’che wie e Eelche. Der Wein wird zu seinem Lob mit ei­nem guten Öl verglichen, wenn er infolge seines Extraktgehalts Glyzerin bildet, das am Glas über dem Flüssigkeits­spiegel ölige Schlieren in Form von Kirchen­fenstern zeichnet.

Strumpbennel

der, Pl. gleich, kurze Vokale, u betont, gew. für Strumpfband; vgl. Bennel.